Standard

Motivation

Im Zusammenhang mit der SMEEX-Initiative des VSFM entstand das Teilprojekt „SMERF“. SMERF ist die Abkürzung von swiss medical reference system. Auf der Webseite smeex.ch sind die Motivationen rund um die SMEEX-Initiative umfassend publiziert.

Um Daten über die Systemgrenzen hinweg u.v.a. automatisiert austauschen zu können, sind nebst eindeutigen Referenzsystemen auch Klassifizierungs- und Codierungsysteme für Labor- und klinische Resultate notwendig. Da bzgl. der elektronischen Patientenaktenführung keine allgemeingültigen Standards für die Dokumentation von medizinischen und klinischen Daten zur Verfügung stehen, bestehen umfangreiche technische Herausforderungen, um den Datenaustausch für den Endanwender nutzbringend gewährleisten zu können.

Beim Datenaustausch zwischen einem Sende- und Empfängersystem, erzeugen die Daten auf Empfangsseite nur dann einen Mehrwert, wenn eine lückenlose Interpretation erfolgen kann. Genau die angesprochene Interpretation bildet dabei die Problemstellung. Um die Problemstellung zu verdeutlichen wird folgendes Beispiel gewählt:

Das Sendesystem sendet ein klinisches Messresultat mit dem Inhalt:  120 / 80.  Es stellt sich nun die Frage, wie das Empfangssystem damit umgehen soll? Das gelieferte Resultat ist in seiner Klassifikation und Spezifikation unzureichend definiert, als dass es automatisiert durch ein IT-System verarbeitet werden könnte. Damit eine minimale Verarbeitung erfolgen kann, muss zusätzlich eine Aussage über die Bedeutung und zur Masseinheit gemacht werden. Je nach Messresultat sind weitere Attribute und Spezifikationen notwendig, um eine abschliessende Interpretation vorzunehmen.

Erst wenn technische Möglichkeiten geschaffen werden, Laborwerte und klinische Messresultate voll zu qualifizieren, dann entstehen für den Endanwender nutzbare Informationen.

Einführung

Zielsetzung
Klinische Daten sind zur weiteren Interpretation umfassend zu klassifizieren, damit sie im Zusammenhang mit dem systemübergreifenden Datenaustausch weiter verwendet werden können. SMERF ist ein Klassifizierungssystem für:

  • klinische Messresultate

Minimal werden die  Bedeutung und die Masseinheit (UCUM-Einheiten) klassifiziert. Je nach Bedeutung des Resultats stehen weitere Klassifikationsattribute zur Verfügung. Das System ist vertikal beliebig erweiterbar. Wie im SMEEX Standard werden die einzelnen Attribute eindeutig über eine ID identifiziert.

Grundsätzlich ist es dem Sendesystem überlassen, wie detailliert die Daten klassifiziert werden. Je granularer die Klassifizierung durchgeführt wird, desto „wertvoller“ sind die Daten auf Empfangsseite.

Weshalb ist eine Klassifizierung notwendig?
Nur wenn ein Datenempfangssystem die erhaltenen Daten auch interpretieren kann, dann ist eine umfassende Weiterverarbeitung möglich. Ohne Klassifizierung können Daten nicht interpretiert werden, d.h. sind für den Empfänger direkt nutzlos, sofern er sie nicht selbst interpretiert.

Folgendes Bespiel verdeutlicht den Sachverhalt:

Fall 1:
Versand der Datenfelder mit den Inhalten „120 / 80“ ohne weitere Klassifizierung.

Fall 2:
Versand des Datenfeldes mit dem Inhalt „120“, Klassifizierung: Blutdruck, [Pa], systolisch, sitzend
Versand des Datenfeldes mit dem Inhalt „80“, Klassifizierung: Blutdruck, [Pa], diastolisch, sitzend

Bezüglich des Falls 1 kann keine Aussage gemacht werden um welchen Feldinhalt es sich handelt. Eine Datenweiterverarbeitung ist nicht möglich. In einem solchen Fall kann das Empfangssystem die erhaltenen Daten nur in ein Textdatenfeld ablegen und dem Systembenutzer die weitere Verarbeitung überlassen.

Ganz anders im Fall 2. Hier wird eine volle Klassifizierung des Dateninhaltes vorgenommen. Eine weitere Verarbeitung durch das System ist grundsätzlich möglich.

Gesamtsicht

Das SMERF Projekt nimmt sich den vorgängig beschriebenen Problemstellungen im Bezug auf die Interpretation von Labor- und klinischen Messresultaten an. Dabei wird das Ziel verfolgt, ein einfaches, erweiterbares und im medizinischen Alltag handhabbares System für die Klassifizierung- und Codierung zur Interpretation zu schaffen. Vorhandene Systeme (wie LOINC, SNOMED, u.a.) werden in der Konzeption berücksichtigt. Es wird aber besonderen Wert auf eine zweckmässige Integration in medizinische Branchenapplikationen und die Handhabbarkeit im Endanwendungsalltag gelegt.